Carolin Melcher

Kursleiterin der WCTAG für Qigong und Tai Chi Chuan (=Taijiquan) im Stil der Chen-Familie

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Tai Chi Chuan und Qigong -
Fitness und Vitalität für Geist und Körper

Lernen Sie Tai Chi Chuan vom Ursprung. Chen-Stil, der traditionelle Stil aus Chenjiagou VR-China.

Tai Chi Chuan ist eine Kampfkunst und gehört daher auch zum Gongfu (Kungfu). Gongfu = Zeit, Mühe, Fähigkeiten erlangen (wahres Können).

Gongfu ist ein Fenster der Chinesischen Kultur, durch das Geheimnisvolles und Mystisches austritt.

 

Lebenspflege für Körper, Geist und Seele...

 


 

zur Person...

„Ruhe wie ein Berg, bewege dich wie ein großer Fluss“
(Wu Yuhsiang, 1812-1880)

„In der Bewegung nicht nachlassen um Ruhe zu suchen, sondern Ruhe in der Bewegung finden“
(unbekannt, China )

So lauten chinesische Weisheiten, die für Carolin Melcher Unterrichtsgrundlagen in ihren Kursen und Seminaren für authentisches Taijiquan und Qigong sind.

Abschlüsse und Qualifikationen:

Die WCTAG ist ein eigenständiger und Europas größter Taijiquan- Verband, der in über 120 Städten Deutschlands vertreten ist. Sie ist die deutsche Organisation des Taiji-Weltverbandes World Chen Xiaowang Taijiquan Association (WCTA). Die WCTA ist in über 35 Ländern der Erde vertreten. Die WCTAG ist Gründungsmitglied des Deutschen Dachverbandes für Qigong und Taijiquan (DDQT), dessen „Allgemeine Ausbildungs- Leitlinien“ (AALL) nach dem Ausbildungskonzept der WCTAG entwickelt worden sind.

Seit Anfang 2000 trainiert Carolin Melcher ausschließlich den traditionellen Chen-Stil, den Ursprungsstil des Taijiquan, welchen sie in der Basis unterrichtet. Zuvor hat sie sich 5 Jahre mit dem Yang-Stil sowie Qigong nach Chen Xiyi in Theorie und in Praxis auseinandergesetzt.

Seit August 2006 gibt sie Taijiquan- und Qigong- Unterricht u. a. in der LWL-Klinik Dortmund. In ihren Kursen möchte sie die Basis des traditionellen Taijiquan und Qigong der Chen-Familie aus Chenjiagou (VR China) an interessierte Mitmenschen weitergeben. In ihren Kursen, die fortlaufend geplant werden, wird eine vertiefte Auseinandersetzung mit verschiedenen Entspannungsmethoden, vorwiegend aus der TCM angeboten.

Die Basis eines jeden Kurses bildet das authentische Qigong der Familie Chen, die Seidenübungen (Cansigong) und die stehende Säule, eine meditative Standübung des Chen-Taijiquan (Zhanzhuang). Hier vermittelt sie die Grundstrukturen und langfristig tiefere Inhalte.

Durch eine Heranführung zur Achtsamkeit und Vorstellungskraft bzw. Vermittlung von Wohlbefinden, Wahrnehmung und Selbsterfahrungen des eigenen Körpers, sowie durch ihr didaktisch-methodisches Knowhow der Entspannungsverfahren, werden neurologisch-physiologischen Vorgänge und deren positive Auswirkungen auf die persönliche Entwicklung, insbesondere auf das Selbstkonzept initiert. Insbesondere wird die Wahrnehmung in den Bereich der körpernahen Sinne (vestibulären Systeme, propriozeptives System, taktiles System) im kinästhetischen System, sowie im emotionalen, sozialen und kognitiven Bereich besonders gut gefördert und dadurch das Selbstkonzept positiv beeinflusst.

Regelmäßige Teilnahme an Seminaren sowie persönliche Korrekturen durch Großmeister Chen Xiaowang ermöglichen ihr eine ständige Weiterbildung. Großmeister Chen Xiaowang ist direkter Nachkomme der Chen-Taijiquan-Gründerfamilie in der 19. Generation und offizieller Hauptvertreter sowie Erbe der Chen-Taijiquan-Tradition in der Welt. Weiterhin besucht Carolin Melcher fortlaufend Seminare zur Weiterbildung bei Meister Jan Silberstorff, um eine gleich bleibende Qualität der inneren sowie äußeren Struktur sicher zu stellen. Meister Jan Silberstorff ist direkter Schüler seines Großmeisters Chen Xiaowang in der 20. Generation der Familientradition des Chen-Taijiquan. Durch Ausbilder Gerhard Milbrat und Ausbilder Frank Marquardt finden regelmäßige Fortbildungsseminare statt.

Zudem runden Studienreisen bzw. Trainingsreisen in die VR China (Chenjiagou) und in die so einzigartige und faszinierende Hochkultur Tibets ihr eigenes Training und autonomes Studium ab. Diese intensiven und authentischen Eindrücke spiegeln sich in ihrem eigenen Training, sowie im sehr individuell gestalteten Kursalltag wieder.

Heute sind Taijiquan und Qigong zu anerkannten Methoden in Prävention und Therapie geworden, die auf der ganzen Welt in Kurhäusern und Kliniken praktiziert werden.

 


 

Qigong

Qigong ist ein bewegungsorientiertes Verfahren in der Prävention bzw. Entspannung, sowie therapeutisch sehr wirkungsvoll bei somatischen, psychischen und psychosomatischen Erkrankungen. Qigong ist eine chinesische Bewegungskunst oder auch Bewegungstherapie und Heilgymnastik und zudem Bestandteil der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Qigong stellt den „aktiven Zweig“ der TCM dar, ist Hilfe zur Selbsthilfe, also eine Methode zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Gesundheit aus eigener Kraft, sowie eine Lehre zur Selbstkultivierung.

Mit Qigong aktivieren und pflegen wir unsere vitale und mentale Energie. Diese wird anstelle von Muskelkraft angeführt und führt wiederum zu Ruhe und Entspannung in der Bewegung.

Der Ausdruck „Qigong“ bedeutet: Übungen, Konzentration oder die Arbeit mit unserer inneren Lebensenergie „Qi“. Qi im Gleichgewicht zu erfahren bedeutet für uns, dass sich unser Körper in einem ausgeglichenen, harmonischen, entspannten und gesunden Zustand befindet.
Qigong wirkt durch:

Systeme

Zhan Zhuang
Inneres und äußeres Gleichgewicht: Zhan Zhuang („wie ein Baum stehen“) beschreibt eines der wirkungsvollsten Systeme des Qigong, das in Chinas alten Schulen der Gesundheitspflege und Meditation zu Hause ist. Es wird auch „Stehende Säule“ genannt. Hier lernen wir uns zu zentrieren, unsere Energien zu wecken, diese im Körper anzusammeln und in der Einheit aufgehen zu lassen.

Cansigong
Harmonie und Lebensenergie: Cansigong („einen Seidenfaden aufwickeln“) ist ein Übungssystem der Chen Familie aus Chenjiagou - VR-China. Es verbindet die äußere spiralförmige Bewegung mit dem inneren Fluss der Vitalenergie „Qi“. Das „Dantian“ (Unterbauch, Körperschwerpunkt) ist das Zentrum der Bewegung.

„Dao Shi Qigong“ im Wechsel der Jahreszeiten nach Chen Xiyi
Geschmeidigkeit und Kraft: Bänder, Sehnen und Muskeln werden natürlich gedehnt und die Beweglichkeit der Gelenke verbessert. Die Propriozeption, das Gleichgewicht, sowie die Zusammenhänge der äußeren Struktur werden geschult.

 


 

Unterricht

Didaktisch-methodische Aspekte:
Qigong ist meditativ und körperkräftigend. Weiterhin geht Taijiquan weit über normale Fitnessprogrammme hinaus, da Körper und Geist gleichermaßen einbezogen werden. Grundlegende Begriffe wie – der Geist – die Achtsamkeit – das Bewusstsein – die Vorstellungskraft – das Körpergefühl – werden im Unterricht thematisiert. Qigong ist Arbeit mit innerer Energie (Qi), daher spricht man von einer inneren Bewegungskunst oder Heilgymnastik.
Qigong stellt eine Methode dar, die unter Verwendung elastischer Muskelkraft, Bewegungsimpulse durch eine spezifisch ausgerichtete Körperstruktur leitet. Dies erfolgt in Verbindung mit einer sehr feinen Bewegungswahrnehmung, welche im Verlauf der im Zeitlupentempo ausgeführten Bewegungsfolgen und den Partnerübungen herausgebildet wird.
Theoreme, die den z.T. jahrtausendealten Konzepten der chinesischen Philosophie und der chinesischen Medizin entstammen, dienen heute immer noch als Grundlage der Bewegungsbeschreibung.
Die Inhalte eines Kurses bestehen aus prophylaktischen sowie meditativen Bestandteilen und werden unter dem Aspekt der ganzheitlichen Betrachtung von Körper und Geist durchgeführt.
Ziele sind die Verbesserung der physischen und psychischen Konstitution der Teilnehmer und die Förderung und Entwicklung des Selbstkonzeptes, der Persönlichkeitsentwicklung, der sozial-emotionalen Entwicklung und der propriozeptiven Wahrnehmung.
Wichtige Aspekte:

Weiterhin ist Qigong ein gutes Medium um sich im Alltag besser zu konzentrieren und zu sammeln, einen ruhigen, entspannten Geist im Qigong zu entwickeln und ein neues Körperbewusstsein zu erlangen. Erst wenn unsere Körperstruktur äußerlich richtig ausgerichtet ist, neu justiert ist, kann sich auch unser Geist entspannen. Allmählich kommen wir über die äußere Struktur zu inneren Zusammenhängen und können einen Energiefluss verspüren. Im Mittelpunkt dieser Betrachtung steht die ganzheitliche Entwicklung des Selbstkonzepts.

All dies steht in Verbindung mit dem Lösen im Körper und dem damit aktivierten Qi-Fluss.
Langfristig gesehen kultivieren wir uns selbst und stehen in einer stetigen Weiterentwicklung. Diese Weiterentwicklung betrifft unsere Geisteshaltung genauso wie die immer subtiler werdende Wahrnehmung für unseren Körper und dessen Zusammenhänge.

Aufbau einer Praxissequenz:

Folgende Entwicklungskompetenzen und deren deutliche Stabilisierung können beobachtet werden:

Hier wird der breitgefächerte, bedeutungsvolle Wirkungskreis der ganzheitlichen Bewegungskunst Qigong sehr deutlich. Ein Entwicklungsschwerpunkt, der mir besonders am Herzen liegt, ist die Hilfe zur Selbsthilfe, um dadurch Selbstachtung, Selbstkontrolle, Selbstwirksamkeit zu erleben und Selbstvertrauen zu gewinnen. Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Selbsteinschätzung ist für das Klientel mit psychischen Erkrankungen, aber natürlich ebenso für alle anderen Teilnehmer von größter Wichtigkeit.

 


 

Anmerkungen

Qigong ist ein ganzheitliches und entwicklungsorientiertes Konzept, dass die Körperwahrnehmung und Bewegung gleichermaßen anspricht und fördert.
Qigong ist gekennzeichnet durch die Regulierung des Geistes, der Atmung, des Muskeltonus. Verspannungen und Anspannungen (psychische als auch physische) werden gelöst und dadurch Körper und Geist gestärkt und harmonisiert.

Das Nervensystem gliedert sich in zwei Teile, das Zentrale Nervensystem (ZNS) und das Periphere Nervensystem (PNS). Zum ZNS gehören das Gehirn und das Rückenmark. Das PNS teilt sich noch einmal auf: Ein Teil ist das willkürliche Nervensystem, das alle willentlichen Muskelbewegungen steuert. Deshalb wird es auch oft motorisches Nervensystem genannt. Der zweite Teil des PNS ist das unwillkürliche oder auch vegetative Nervensystem. Das vegetative Nervensystem steuert, ohne dass der Wille daran beteiligt ist, die verschiedenen inneren Aktivitäten unseres Körpers, z. B. Verdauung, Herzschlag usw. Dazu bedient es sich zwei unterschiedlicher "Systeme": Der Sympathikus hat anregende und mobilisierende Funktionen. Mit dem Parasympathikus werden Funktionen beruhigt bzw. gebremst.

Auf verschiedenen Ebenen unseres Nervensystems wirken Qigong und Tai Chi Chuan als Medium harmonisierend, kräftigend und stabilisierend.

Langfristig gesehen werden meiner Ansicht nach durch regelmäßiges Qigong Wahrnehmung und Wirkung aller der an der Steuerung und Kontrolle von Haltung und Bewegung beteiligten Prozesse und damit auch der daran beteiligten sensorischen, perzeptiven, kognitiven und motivationalen Vorgänge kontinuierlich gefördert und gestärkt. Weiterhin wird eine Kräftigung im Bereich der körpernahen Sinne (vestibuläres und propriozeptives System) und im emotional-kognitiven Bereich hervorgerufen und kultiviert.

Ist Qi ein nützliches Konzept?
Qi wird sehr komplex ausgelegt, es hilft verschiedene Phänomene zu verstehen und die Fähigkeiten zu entwickeln, diese zu beeinflussen. In diesem Erklärungsmodell hat das Qi keine physikalische Realität, sondern es handelt sich lediglich um eine phänomenologische Beschreibung der Realität. Diese Erklärung steht nicht im Widerspruch zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.

Zudem ist mir eine klientenorientierte, sowie ganzheitliche Betrachtung, welche die individuelle körperliche, psychische und physische Disposition und Lebenseinstellung ebenso berücksichtigt, wie die Bewegungsgewohnheiten und das psycho-soziale Umfeld von großer Bedeutung. Gesundheitsorientiertes Verhalten zu fördern und zu kultivieren, sehe ich als einen wirklichen Fortschritt im Kontext Prävention bzw. Bewegung und Körperwahrnehmung, insbesondere bei psychischen und psychosomatischen Erkrankungen.

Heute sind Qigong und Tai Chi Chuan anerkannte Methoden in Prävention und Therapie, die in zahlreichen Ländern auf der ganzen Welt in Kurhäusern und Kliniken praktiziert werden.

Die chinesische Philosophie besagt, dass in der gesamten Natur, also auch im Menschen gegensätzliche polare Kräfte wirken. Werden diese polarisierten Gegensätze harmonisiert und in Einklang gebracht, ist der Mensch gesund und er fühlt sich wohl, hat ein gutes Körpergefühl (Selbstkonzept) nach innen wie nach außen.
Dieses können wir nicht durch fleißiges Lesen, also nur durch theoretisches Wissen erreichen, sondern nur durch praktizieren und ausprobieren. Dieses Körpergefühl (positives Selbstkonzept) entwickelt sich durch regelmäßiges Qigong und wir nähern uns diesem Wissen auf eine ganzheitliche Art und Weise.

Wie uns die jahrtausendealte Philosophie des Taiji Prinzips bzw. den darin enthaltenen Aspekten Yin und Yang bereits verdeutlicht, ist es mit der Psychomotorik nicht anders. Die Psychomotorik ist ebenfalls ein Ausdruck einer Lebensphilosophie, nur nicht jahrtausendealt und setzt sich aus den sich gegenseitig bedingenden Aspekten Psyche und Motorik > Körper und Bewegung als Motor und Medium zusammen. Dies bedeutet letztendlich, dass unser Geist, unsere Seele, unsere Emotionen mit unserem Verstand und somit mit unserem inneren wie äußeren Körper, der Steuerung und Kontrolle von Haltung und Bewegung zusammen eine Einheit bildet und demnach sich unser Körper ganzheitlich entwickeln kann.

Literaturauswahl


Forschung

Wissenschaftliche Studien haben die heilsame Wirkung von Qigong nachgewiesen. Die Übungen wirken harmonisierend auf das vegetative Nervensystem, sie senken den Blutdruck, stärken die Immunabwehr und regulieren die Stresshormone. Gleichzeitig verbessern sich die psychische Gestimmtheit und die Fähigkeit, den Alltag gelassen zu bewältigen und mit Stress konstruktiv umzugehen. Qigong berücksichtigt die enge Verflochtenheit zwischen Körper und Geist.

Wie die jüngsten Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen, haben Gedanken und Emotionen Einfluss auf das Körpergeschehen, ebenso wie zum Beispiel auch die Regulation der Muskelspannung die Stimmung positiv beeinflusst. In der uralten Tradition des QiGong finden sich also gelebte Erkenntnisse über die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist, die heute wissenschaftlich nachgewiesen werden kann.

Studien:

Metastudien:

 


 

Was ist Tai Chi Chuan ?

Taijiquan = Tai Chi Chuan (alte Schreibweise) ist eine Chinesische Kampf- und Bewegungskunst. Sie dient der Lebenspflege, der Gesundheit sowie der ganzheitlichen Entwicklung von Körper und Geist. Taijiquan ist meditativ und körperkräftigend. Weiterhin geht Taijiquan weit über normale Fitnessprogrammme hinaus, da Körper und Geist gleichermaßen einbezogen werden.
Taijiquan verbindet Wushu und Qigong, daher spricht man von einer inneren Kampfkunst. Die Inhalte eines Kurses bestehen aus prophylaktischen sowie meditativen Bestandteilen und werden unter dem Aspekt der ganzheitlichen Betrachtung von Körper und Geist durchgeführt. Ziel der Kurse bzw. Seminare ist die Verbesserung der physischen und psychischen Konstitution der Teilnehmer.

Rückenschonend im täglichen Alltag. Bewegungen lassen sich ableiten und verbessern.

Wushu = Kampfkunst
Qigong = Arbeit mit der inneren Energie

 

Etwas über Yin & Yang

Yin und Yang beschreiben grundlegend die Dualitäten der Welt. Ein Prinzip bedingt das andere und keines kann ohne das andere existieren. Die Entstehung, die Vervollständigung, die Begrenzung / der Zerfall, die Wandlung ins Gegenteil. Der Übergang jeder Phase ist fließend. Nach der Nacht kommt der Tag, ohne Berg gibt es kein Tal. Die Worte Laotses: „Das Weiche besiegt das Harte. Jedermann weiß darum und doch vermag niemand danach zu handeln“.

Wie ist es mit dem Teil und mit dem Gegenteil?
Yin und Yang geben keine Wertung ab, sie sind verschieden aber dennoch gleichwertig. Yin und Yang beschreiben Wesensmerkmale sind aber nie zu trennen. Die chinesische Philosophie besagt, dass in der gesamten Natur, also auch im Menschen gegensätzliche polare Kräfte wirken. Werden diese polarisierten Gegensätze harmonisiert und in Einklang gebracht, ist der Mensch gesund und er fühlt sich wohl, hat ein gutes Körpergefühl. Dieses können wir nicht durch fleißiges lesen, also nur durch theoretisches Wissen erreichen, sondern durch praktizieren. Dieses Körpergefühl entwickelt sich durch regelmäßiges Taijiquan und wir nähern uns diesem Wissen auf eine ganzheitliche Weise.

 

Tai Chi Chuan

Tai Chi Chuan ist Bestandteil der TCM (Traditionelle Chinesischen Medizin) und stellt den „aktiven Zweig“ dar. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe, eine Methode zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Gesundheit aus eigener Kraft, sowie eine Lehre zur Selbstkultivierung. Mit Tai Chi Chuan und dem darin enthaltenen Qigong aktivieren und pflegen wir unsere Lebensenergie, die Lebenskraft, das Qi.

Drei wichtige Aspekte Tai Chi Chuan sind:

Weiterhin ist Tai Chi Chuan ein gutes Medium um sich im Alltag besser zu konzentrieren und zu sammeln, einen ruhigen, entspannten Geist im Taijiquan zu entwickeln und ein neues Körperbewusstsein zu erlangen. Erst wenn unsere Körperstruktur äußerlich richtig ausgerichtet ist, neu justiert ist, kann sich auch unser Geist entspannen. Allmählich kommen wir über die äußere Struktur zu inneren Zusammenhängen und können einen Energiefluss verspüren.

All dies steht in Verbindung mit dem Lösen im Körper und dem damit aktivierten Qi-Fluss.

Tai Chi Chuan basiert auf dem Prinzip von Yin & Yang, der Gegensätze, die sich ergänzend einander bedingen, wonach in der gesamten Natur, wie auch im Menschen, gegensätzliche polare Kräfte wirken. Werden diese polaren Kräfte (Yin & Yang) durch Tai Chi Chuan harmonisiert, ist der Mensch im Gleichgewicht, im Einklang mit sich selbst. Ein Prinzip bedingt das andere und keines kann ohne das andere existieren.
Diese Tatsache wird vor allem in der Partnerübung Tuishou (schiebende Hände) deutlich, in welcher dem Prinzip harter Kraft (Yang) Entspannung und Flexibilität (Yin) gegenüber steht.

Im fortgeschrittenen Tai Chi Chuan verlagert sich der Fokus dann allmählich von außen nach innen und bringt dann innere Energie zum Fluss, eine stabile innere und äußere Körperstruktur kann sich entwickeln. Dadurch wiederum entsteht eine Harmonisierung des ganzen Körpers.

Die Basis der äußeren Anwendung in der Bewegung bzw. der Tai Chi Form und der Partnerübung Tuishou (schiebende Hände) sind die Tai Chi Prinzipien „wei san he“ - äußere Zusammenhänge (Schulter und Hüfte, Ellenbogen und Knie, Hand und Fuß verbinden sich) - und „nei san he“ - innere Zusammenhänge (Herz und Aufmerksamkeit, innere Energie (Qi) und Kraft, Sehnen und Knochen harmonisieren) -.

Die Partnerübungen im Tuishou sind in der Wertigkeit der Bewegungsabfolgen der Tai Chi Chuan Form, sowie der Qigong Basisübungen gleichzusetzen. Es sind keine intellektuellen Übungen, sondern durch diese Partner-, bzw. Selbstübungen entsteht eine Selbstwahrnehmung, diese wiederum führt zu Erkenntnissen, die die Zusammenhänge des eigenen Körpers eröffnen.

Langfristig gesehen kultivieren wir uns selbst und stehen in einer stetigen Weiterentwicklung. Diese Weiterentwicklung betrifft unsere Geisteshaltung genauso wie die immer subtiler werdende Wahrnehmung für unseren Körper und dessen Zusammenhänge.

 

Taijiquan Tu Shuo 

Das Taijiquan Tu Shuo („Der illustrierte Kanon des Taijiquan“) ist das wohl umfassendste chinesische Werk über Taijiquan. Es wurde innerhalb von 12 Jahren Anfang des 20. Jahrhunderts von Chen Xin (1849-1929, 16. Generation der Chen-Familie, Onkel von Chen Mingbiao - dem Hauptvertreter des "Kleinen Rahmens" des Chen-Taijiquan) verfasst und gilt als einer der wesentlichen Klassiker des Chenstils.

Es folgt ein Auszug aus dem Text, das Copyright der deutschen Übersetzung liegt bei Jan Silberstorff:

Während der Praxis des Tajiiquan ist es normalerweise nicht notwendig, sich anfänglich in die kardinalen Richtungen auszurichten. Wie dem auch sei, da das Sternenbild des großen Wagens nach Norden gerichtet ist, sollte der Ausübende sich respektvoll in diese Richtung stellen, denn dies ist die Quelle der entsprechenden Energie im menschlichen Körper, bekannt als Zhong-Qi oder Zentrale Innere Energie. Deshalb sind alle Figuren (die in diesem Buch präsentiert werden) nach Norden ausgerichtet, mit dem Rücken nach Süden, den Osten zur Rechten und den Westen zur Linken.
Um den Weg des Himmels zu bestimmen, musst Du zu den Substanzen Yin und Yang Zuflucht nehmen. Um den Weg der Erde zu etablieren, musst Du das Konzept von Hart und Weich anwenden; um den Weg der Menschen zu finden, brauchst Du Wohlwollen und Rechtschaffenheit.

Fülle Deine Beine und Arme mit der Energie des Seiden-Wickelns; richte Deinen Kopf auf und schau gerade nach vorne. Wenn Du sitzt, sei wie die Angel einer Tür; wenn Du stehst, sei wie ein leerer Raum.

Konfuzius sagt, „Begegnest Du Respektlosigkeit, schau nicht hin; begegnest Du Respektlosigkeit, höre nicht hin; begegnest Du Respektlosigkeit, sprich nicht einmal darüber; begegnest Du Respektlosigkeit, bewege sie nicht.“ Während Du Taijiquan praktizierst, sei dabei ehrfurchts- und respektvoll, als ein natürlicher Teil des Prozesses. Den etablierten Formen und Regeln folgend, betrachte die Taiji Form, höre auf sie, sprich über sie und bewege Dich mit ihr von innen heraus. Wenn Du die Form nicht übst, beruhige Dein Gemüt und Dein Herz und befriede Deine Energie um Dich mit dem spirituellen Element zu vermischen. Während des Übens, beruhige Deinen Geist und Deine Energie, um Deinen oberen und unteren Körperpartien zu erlauben, sich frei und natürlich ohne Künstlichkeit zu bewegen.Versuche den Mechanismus des Taijiquan vernünftig in Übereinstimmung mit den inneren Normen und Riten einzuleiten. Die Riten des Taijiquan besagen, das man kein langsames und träges Qi durch den Körper fließen lassen sollte. Wenn diese träge Energie sich `verdickt´, wirst Du eine sehr große Anzahl von Bewegungen gebrauchen müssen, um der Heranbildung myriader Krankheiten vorzubeugen, indem Du diese Energie aus allen Bereichen des Körpers damit heraus treibst.

Die Riten basieren auf Respekt und Freude und gehen hervor aus Friede und Harmonie. Wenn Du respektvoll sein kannst und Frieden und Harmonie beibehalten kannst, wirst Du ein guter Ausübender des Taijiquan. Es wird gesagt, „Taijiquan ist der Weg der Kunst.“ Wie die Meister sagen, „wenn die etablierten Regeln sehr streng sind, wird auch ein Weiser mit hohem Können trotz seines Gongfu nicht in der Lage sein, ihnen zu folgen.“ Wenn es der Gegenstand der Kunst ist, was sollte getan werden, es zu verstehen? Es wird ebenso gesagt, dass du durch die Praxis des Taiji lernst, Deine Tugend zu kultivieren, Deinen Charakter zu korrigieren und dein Leben zu beschützen. Wie Menzius sagt, „ohne etablierte Praktik und Regeln kann man nicht entgegenkommend und zurückhaltend in seinem Verhalten werden.“

Den Weg des Taiji zu praktizieren, die klassischen Schriften nicht zurückzuweisen und jedem einzelnen Wort vom Anfang bis zum Ende Respekt entgegenzubringen – wer dieses tut, kann sich selbst als mit ganzem Herzen dem Studium des Taiji gewidmet bezeichnen. Seinen Willensentschluss zu fördern bis er befreit ist von dem Wollen, welches in seiner Brust gefangen ist, so wird er die (große) Einheit in Übereinstimmung mit dem einen Taiji Prinzip erreichen. Dieses Prinzip oder die (große) Einheit ist das Studium (der folgenden Seiten).

 


 

Kurstermine

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

 
        Kurs 10:00-11:30
        Tai Chi Chuan (1)
         
  Kurs 15:30-17:00 Einzelunterricht n.V.   Einzelunterricht n.V.
  Tai Chi Chuan (1) Qigong &   Qigong &
    Tai Chi Chuan   Tai Chi Chuan
         
Kurs 18:00-19:30   Kurs 17:30-19:00    
Qigong &   Qigong &    
Tai Chi Chuan   Tai Chi Chuan    
 
Bitte bequeme Sportbekleidung und Turnschuhe mitbingen.
(1) Klinikintern

Aufbau einer Unterrichtseinheit

Qigong und Tai Chi Chuan sind aufeinander aufbauende Systeme. Der erste Teil einer Unterrichtseinheit im Tai Chi Chuan ist identisch mit einer kompletten Qigong-Einheit.

für Qigong- und Tai-Chi-Lernende

für Tai-Chi-Lernende

 


 

Tai Chi Chuan in der Forensik

(aus dem Chen Taijiquan Magazin 2012)

Von den harten Kampfkünsten, autonomen Training aus Büchern und Filmen von Bruce Lee und hartem Wettkampftraining z.B. in Karate und Taekwondo; aus ihrer früheren Zeit erzählen die forensischen Patienten gern.
Das all durchdringende sowie weiche, sowie fließende Tai Chi Chuan verhilft ihnen jetzt ihren Körper und ihren Geist wieder zu entdecken, sowie eine gewisse Gesundung durch Qigong bzw. Tai Chi Chuan zu erlangen. Ihr Zuhause neu zu installieren….. Gedanken und Körperwahrnehmungen zu zulassen, aber auch genauso die Tür vor ausschweifenden Phantasien und Bildern zu schließen, dass bedeutet für die Patienten chi ku.
So begann ich meine erste Stunde in der Forensik mit… „chi ku“, was „bitter Essen“ bedeutet. Mit diesem Ausdruck meinen die Chinesen mit viel Zeit und Mühe Fähigkeiten erwerben.
Mit einer theoretischen Einführung erläuterte ich grundlegende Begriffe, sowie erzählte etwas zur Historie der Jahrhunderte alten Kampfkunst Tai Chi Chuan und zu deren Wurzeln, die in Chenjiagou Provinz Henan VR China zu finden sind.
Zunehmend konnte ich in einigen Gesichtern auch Interesse entdecken, andererseits aber auch in anderen Gesichtern eine Art der Überforderung wahrnehmen. Daher entschloss ich mich zu einer Abkürzung meiner Ausführungen um das erste Treffen nicht gleich zu überstrapazieren. Hier ist Flexibilität von größter Wichtigkeit, was sich im späteren Training immer wieder zeigte.
Gerade am Anfang, musste ich hin und wieder schnell handeln und kreativ reagieren, mir Vorschläge anhören und dazu Stellung beziehen. Anfänglich war für einige Patienten die tiefe des Tai Chi Chuans noch nicht so ersichtlich und daher die Aufmerksamkeit vermindert. Was sich aber deutlich innerhalb der nächsten Monate verändern sollte und auch so eintraf.
Für die Patienten bedeutete es wahrlich ein „bitter Essen“…
Von der anfangs mit acht Patienten startenden Gruppe, blieben fünf Patienten kontinuierlich dabei.
Ab jetzt möchte ich aber nicht mehr von Patienten sprechen sondern von Teilnehmern. Nach einiger Zeit sprechen wir uns nun bei unseren Vornamen an, es ist gleich viel angenehmer und fühlt sich wesentlicher vertrauter an.
Was ich noch gar nicht erwähnte, auch sämtliche Überwachungsvorrichtungen fühlen sich nach einiger Zeit für mich vertrauter an. Zu Beginn eines Trainings steht erst einmal die Begrüßungszeremonie an der Pforte an: Austausch meines Ausweises gegen verschiedene Schlüssel, dem Personennotrufgerät und dem elektronischen Transponder-Schlüssel. Auch ständig durch die Überwachungskameras beobachtet zu werden, nehme ich schon gar nicht mehr wahr und kann mich vollends auf meine Gruppe konzentrieren.

Ich schaue mir immer wieder jeden einzelnen Teilnehmer an und versuche herauszufinden, wie ich seine Aufmerksamkeit bzw. seine Achtsamkeit für sich selbst stabilisieren kann.
Entwicklungsschwerpunkte die mir besonders am Herzen liegen, insbesondere die Hilfe zur Selbsthilfe, um dadurch Selbstachtung, Selbstkontrolle und Selbstvertrauen zu gewinnen, haben höchste Priorität.
Die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Selbsteinschätzung ist für meine Klientel von größter Wichtigkeit.
Tai Chi Chuan stellt einen "aktiven Zweig" dar. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe, eine Methode zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Gesundheit aus eigener Kraft. Auf verschiedenen Ebenen unseres vegetativen Nervensystems wirkt Tai Chi Chuan als Medium harmonisierend, kräftigend und stabilisierend. Tai Chi Chuan und Qigong sowie die darin enthaltene Psychomotorik ist ein ganzheitliches und entwicklungsorientiertes Konzept, dass die Wahrnehmung (innen) und Bewegung (außen) gleichermaßen fördert.

Durch individuelles Einschätzen und durch differenziertes Beobachten der mir wichtigen Entwicklungskompetenzen, sehe ich gute Möglichkeiten zum einen meine Hypothesen zu überprüfen und zum anderen bekomme ich Informationen über die Gesamtkörperkoordination und das Körperschema. Diese Informationen lasse ich dann weiter in meine Vorher- und Nachherbeobachtung von Entwicklungs(fort)schritten einfließen.

Während des Trainings gebe ich Möglichkeiten zu verbalisieren, auch füge ich kurze Theorieelemente ein, um Möglichkeiten zur Reflektion, ebenso auch zur Selbstreflektion zu geben. Diese Momente sind immer etwas ganz besonderes für mich, da ich z.B. das Befinden während der „stehenden Säule“ (Zhanzhuang), Eindrücke, Emotionen, Wahrnehmungen usw. von den Teilnehmern erfahren. Sie erzählen ganz vorsichtig von ihren Phantasien, dass diese beobachtet werden müssen und dass sie lernen müssen diesen Phantasien und Bildern keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken.
Das ist wirklich ein sehr „bitter Essen“ für die meisten Teilnehmer.
Zu einem Training erzählte mir einmal ein Pfleger, dass andere Patienten, die uns nun schon länger durch ihre Fenster beobachteten und auch gern zu diesem „Gongfu Training“ kommen würden, aber leider eher nicht dafür in Frage kämmen, damit sie sich wenn es mal Ärger mit anderen Patienten geben würde, richtig zur Wehr setzen könnten.
Etwas Spaß gehört selbstverständlich auch zum Training und es wird auch schon mal ordentlich gelacht.
Zum Glück haben wir die Möglichkeit bei schönem Wetter auf einem komfortablen großen Sportplatz draußen trainieren zu können. Die Sonne und die Wärme sind wichtige Aspekte um eine positive Grundstimmung und damit eine angenehme Körperwahrnehmung zu implizieren um dann mit Qigong bzw. Tai Chi Chuan effektiv zu arbeiten. Dies sind wunderbare Vorraussetzungen für meine TN in ihren eigenen Körper hinein zu fühlen, sich eine Vorstellung von dem eigenen Zentrum zu machen, um dann in kleinen Schritten dieses bzw. das eigene Unterbauchzentrum wahrnehmen und beobachten zu können, um dann mehr und mehr ein Verständnis für die Zusammenhänge und das Funktionieren des eigenen „Innen“ mit dem eigenen „Außen“ zu entwickeln.
Zu Beginn geschieht dies alles über die Äußerlichkeit.
So beschreibe ich immer wieder meine Vorgehensweise und strukturiere jede Trainingseinheit entsprechend.

Zwei Ziele stehen für mich im Vordergrund:

Selbstwahrnehmung durch Bewegungsabläufe; wie Daoyin = Qigong, dan shou tui shou = schiebende Hände, taktil – kinästhetisch – vestibuläre Körperorientierung. Wahrnehmung „von innen“ in der Standmeditation = Zhanzhuang statt durch Betrachten „von außen“. Das reduziert die Selbstkritik und hilft bei der Entwicklung von Selbstvertrauen, sowohl auf physischer wie auch auf psychischer Ebene.

Die Wahrnehmung zu anderen bzw. zu seinem Gegenüber; die Empathie; Bewegung im und mit dem sozialen Umfeld mit mehr Selbstvertrauen, dadurch positive Erfahrungen und positive Beziehungen zu den Mitmenschen aufbauen.

Ein Förderziel/Entwicklungsziel ist für mich in einem ganzheitlichen Bewegungssystem wie dem Tai Chi Chuan zu sehen, in dessen Mittelpunkt die handelnde Auseinandersetzung mit dem Körperselbst und seinen Bewegungen, seiner Motorik steht.
Es beinhaltet innerhalb der motorischen Aktivität immer zeitgleich auftretende analytische (visuelle und sensorisch-haptisch-kinestetische) und emotionale (psycho-sozial-dynamische) Anteile (vgl. Schulz J. Vom Körperkonzept zum Selbstkonzept 2008).  
Mit der Partnerübung „schiebende Hände“ (dan shou tui shou) steht uns eine wunderbare Übung zum Körperselbst zur Verfügung.
Körperraumlagen und -positionen halten und verändern; Krafteinsatz dosieren – Muskeltonus regulieren; Haltungsregulation – Körperhaltung kontrollieren, regulieren und steuern.
Diese Übung gestaltet sich über den Körperkontakt, zumeist der Arme und Hände. Über den Impuls des Schiebens, sucht man auf der einen Seite das Gleichgewicht des Gegenüber (eigene) kontrollieren zu können, auf der anderen Seite anhand des Kontaktes dessen Bewegungen wahrzunehmen und aussteuern zu können. Entwicklung von Gleichgewicht ist ein physischer wie psychischer Prozess, hier bringe ich meinen Körper in Bewegung – so wird die gesamte Struktur in seiner Ganzheit verschoben – Arme und Beine ihre Position verändern aber nicht ihren räumlichen Bezug zum eigenen Körper(Körperstruktur). Entwicklung des eigenen Raumes, Timing und Distanz, um den eigenen Körper zu wissen, aber nicht zu überdehnen und aus dem Gleichgewicht zu kommen. Ziel dieser Übung ist es; mit seinem Gegenüber, von außen völlig unabhängigen Raum, eigene Erfahrung und Erkenntnis über den eigenen Raum im Inneren und der eigenen Zentrierung zu erlangen. Sein Gegenüber spüren und auch dessen Raum wahrnehmen - wann Gewichtungen beginnen - wann Drehungen beginnen - am Partner kleben bleiben und folgen -Druckverhältnisse wahrnehmen - innere und äußere Aufmerksamkeit und das emotional – kognitive Verhalten wird geschult.
Nach einiger Zeit des Trainierens entwickelt sich bei jedem einzelnen TN langsam ein Bild bzw. ein Gefühl, eine Idee zum Kraft hören, zum Kraft verstehen, zum Kraft umlenken und zum Kraft weiterleiten.

Die TN sind äußerst sensibel und feinfühlig, sie verstehen sofort wenn ich in der Partnerübung bzw. im Ablauf der Übung korrigierend eingreife.
Die Dosierung der Kraft kann gut reguliert und differenziert werden und die Aufforderungen zum „Loslassen“ werden spontan und nachhaltig umgesetzt. Teilweise erlebe ich eine bessere Umsetzung der anzuwendenden Kraft, als in manch anderen Kursen die ich außerhalb der Forensik durchführe.

Auch wenn für einzelne TN die Abfolge der Form nicht so ganz einfach ist und dort teilweise die Konzentration nachlässt, besteht dagegen überhaupt keine Schwierigkeit in der Partnerübung „schiebende Hände“ (dan shou tui shou).
Es stellt sich für mich sogar so dar, dass eine erhöhte Sensibilität und Bewusstheit bei jedem einzelnen TN für das eigene Bewegungsempfinden vorliegt… Die Kraft wird ausgezeichnet dosiert und differenziert, die eigene Körperwahrnehmung, sowie die Körperwahrnehmung bzw. die Impulse des Gegenübers werden ausgesprochen gut integriert.
Gerade zu dieser Übung haben die TN eine sehr gute Motivation und ich spüre da auch ein wirkliches Interesse. Es fällt mir auf, dass die Gruppe untereinander eine gute zwischenmenschliche Beziehung führt und dass sie sich gegenseitig helfen, akzeptieren und motivieren. Es ist eine Freude...

Das „Loslassen“ ist eine Maxime in meinem Unterricht.
Insbesondere stellt die ganzheitliche Sichtweise im Tai Chi Chuan und Qigong verbunden mit der Weiterentwicklung der eigenen Körperwahrnehmung bzw. dem Körperselbst und der der Geisteshaltung, ein unabdingbares Kriterium für die einzelnen Trainingseinheiten dar.
Anmerkung:
Die chinesische Philosophie besagt, dass in der gesamten Natur, also auch im Menschen gegensätzliche polare Kräfte wirken. Werden diese polarisierten Gegensätze harmonisiert und in Einklang gebracht, ist der Mensch gesund und er fühlt sich wohl, hat ein gutes Körpergefühl nach innen wie nach außen. Dieses können wir nicht durch fleißiges Lesen und Beüben erlangen, also nur durch theoretisches Wissen erreichen, sondern eher durch Praktizieren und Ausprobieren. Dieses Körpergefühl entwickelt sich durch regelmäßiges Taijiquan bzw. durch psychomotorische Angebote und wir nähern uns diesem Wissen auf eine ganzheitliche Weise.
Wie uns die Jahrtausende alte Philosophie des Taiji Prinzips bzw. den darin enthaltenen Aspekten Yin und Yang bereits verdeutlicht, ist es mit der Psychomotorik nicht anders. Die Psychomotorik ist ebenfalls ein Ausdruck einer Lebensphilosophie und setzt sich aus den sich gegenseitig bedingenden Aspekten Psyche und Motorik zusammen. Dies bedeutet letztendlich, dass unser Geist, unsere Seele, unser Gefühl mit unserem Verstand und somit mit unserem inneren wie äußeren Körper, der Steuerung und Kontrolle von Haltung und Bewegung zusammen eine Einheit bildet und demnach sich unser Körper ganzheitlich entwickeln kann.

Wenn ich nun meine Aufzeichnungen der letzten Trainingsstunden lese und differenziere, stelle ich eine Vielzahl von positiven Eindrücken, sowohl eigene als auch von den Teilnehmern geäußerte fest. Wie z.B. eine Besserung im vestibulären System, in anderen Therapien nimmt die Konzentration zu, mehr Motivation zur Bewegung im Allgemeinen und eine sehr wichtige Angelegenheit, die Verdauung funktioniert erheblich besser… :-)
Ich beobachte, dass ihnen die tiefe Unterbauchatmung schon etwas leichter fällt. Ihre Körperwahrnehmung (Perzeption), dass propriozeptive und vestibuläre System und somit das Körperschema, all diese Ebenen werden deutlich durch Qigong und Tai Chi Chuan angesprochen und dies sind wiederum sehr gute Vorraussetzungen für die Entwicklung des Selbstempfindens.

Langfristig sehe ich eine gute Möglichkeit durch das Tai Chi Chuan Training, den Kohärenzsinn der TN für sich zu aktivieren und zu kultivieren.
Die Reflexion nach jedem Training oder zu Beginn des nächsten Angebots ist für mich von größter Wichtigkeit. Hier kommt auch schon mal Kritik. Die Teilnehmer sagen mir sehr offen was ihnen mal nicht so „passte“ und was vielleicht verändert werden sollte. Das hatte ich mit ihnen ganz explizit zu Beginn des Trainings so besprochen, dass wenn mal eine Situation für sie nicht in Ordnung ist, sie dies auch gleich ansprechen mögen. Dies sind für mich sehr, sehr wertvolle Momente, in denen ich mich selbst reflektiere und die Situation überdenke.
Darüber hinaus bekomme ich Anregungen und Einsichten, die für meinen weiteren Weg sehr förderlich sind und insbesondere eine tiefe Dankbarkeit in meinem Herzen hervorrufen.
Nach jedem Training ein „Danke“ zu hören, dass sind wirkliche Glücksmomente.

Jetzt nach 5 Monaten, muss ich sagen, dass jeder einzelne von ihnen mir ans Herz gewachsen ist und ich heute mal wieder voller Glücksseligkeit die Forensik verlassen habe. Ein weiteres Highlight, ich wurde von meinen Teilnehmern zu ihrer ersten Theateraufführung gebeten. Das machte mich sehr stolz. Es war ein sehr tiefgreifendes Erlebnis, wobei ich mit meinen Tränen zu kämpfen hatte. Durch diese Theateraufführung habe ich weitere Einsichten in die jeweiligen Persönlichkeiten erhalten und bin auch dafür sehr dankbar. Ich denke gerne an diese Aufführung zurück.
Heute wohnte eine Hospitantin unserer Tai Chi Chuan Gruppe bei. Eine Studentin, die sich zur Theatertherapeutin ausbilden lassen möchte. Wir kamen schnell überein, wie wichtig die Gesamtheit; sprich das „Innen“ und das „Außen“ eines einzelnen Individuums doch ist.
Die eigene Körperlichkeit erkennen und zulassen, den Körper sprechen lassen und mal nichts „sagen müssen“. Eben über die Motorik, Bewegung, innen wie außen, seinen Körper zu erkennen und letztendlich durch bzw. mit unserem Geist und unserem Körper in Einklang zu kommen. Ein Wunsch von ihr und auch von meiner Seite wäre es, dass dem therapeutischen Theater, sowie dem Tai Chi Chuan und der Psychomotorik doch viel mehr Beachtung geschenkt werden solle. Welches meiner Ansicht nach sehr, sehr förderlich, gerade für forensische Patienten doch wäre. Gerade im Fokus der Psyche bzw. der Psychosomatik ist Tai Chi Chuan (Psychomotorik) und Therapeutisches Theater einfach nicht wegzudenken und meiner Ansicht nach ist der kurative Aspekt hier besonders hervorzuheben.
Dadurch könnte ressourcenorientiert und ganz individuell jeder einzelne Patient beobachtet und wertvolle Details ersichtlich werden, um eine gestellte Diagnose fortlaufend überprüfen zu können.
Wie bei einem letzten Training, beobachte ich einen TN der es nicht ganz leicht mit der Abfolge der 19er Form hat, kann sich aber hervorragend weich, sensitiv, empathisch im einhändigen Tuishou bewegen. Jetzt, Wochen später, bewegt er sich nun deutlich leichter (weniger Anspannung) und kontrollierter in der Form.

Folgende Entwicklungskompetenzen und deren deutliche Stabilisierung kann ich nun beobachten. Die Gesamtkörperkoordination, das Körperschema, der Muskeltonus, die Rechts-Links-Orientierung, die Ausdauer und die Kraft, die Beweglichkeit, das Reaktionsvermögen, An- und Entspannung, Auge - Fuß – Hand Koordination, Visuomotorik, Fußmotorik, der Bewegungsfluss, das statisches u. dynamisches Gleichgewicht, sowie das sozial-emotionales Verhalten. Hier wird der breitgefächerte, bedeutungsvolle Wirkungskreis der ganzheitlichen Bewegungskunst des Tai Chi Chuans bzw. Qigongs sehr deutlich erkennbar.

Anmerkung:
Langfristig gesehen wird meiner Ansicht nach, durch regelmäßiges Tai Chi Chuan und Qigong Training, eine positive Wahrnehmung und Wirkung an allen die an der Steuerung und Kontrolle von Haltung und Bewegung beteiligten Prozesse und damit auch sensorische, perzeptive, kognitive und motivationale Vorgänge beteiligt sind, kontinuierlich gefördert und gestärkt.
Weiterhin wird eine Kräftigung im Bereich der körpernahen Sinne (vestibuläres u. propriozeptives System) und im emotional – kognitiven Bereich hervorgerufen und kultiviert. Dadurch kann sich eine ressourcenorientierte Weiterentwicklung entfalten und zu einer Stabilisierung bzw. zu einer Interaktion des stofflichen, sowie des feinstofflichen Körpers führen.

Noch zum Schluss:
Heute bekam ich eine sehr nette und sehr vertrauenswürdige Einladung!
Eine Einladung zu einem chinesischen Abend, wobei auch chinesisch gekocht werden soll. Ich bot mich auch gleich an etwas dazu bei zu steuern, ob es in Form von theoretischer Weiterbildung wäre oder ich meinen gusseisernen Wok mitbringen würde. Das müssten sie sich noch überlegen, hieß es mit einem Grinsen im Gesicht... Bin sehr gespannt wie es funktionieren wird.
Eine nächste Einladung ließ nicht lange auf sich warten... Zu einem Fußball- und Basektballtunier, welches in ein gemeinsames Sommerfest mit einer live Band weitergeführt werden soll.
Über dieses mir entgegen gebrachte Vertrauen freue ich mich sehr und sehe dies als ein gewisses Zeichen der Anerkennung. Von einzelnen Teilnehmern höre ich im Gespräch, ebenso von Therapeuten, dass sich bei allen Teilnehmern positive Veränderungen in der Konzentrationsfähigkeit zeigen, sowie über positive Wahrnehmungen im Bereich der körpernahen Sinne (vestibuläres u. propriozeptives System) und im emotional – kognitiven Bereich. Aufgrund dessen gelangen die Teilnehmer der Tai Chi Chuan Gruppe nun zu weiterführenden Prozessen, die meiner Meinung nach, langfristig gesehen eine positive Auswirkung für ihren weiteren Aufenthalt in der Forensik bewirken.
Des Weiteren möchte ich hier anmerken, das diese wichtige Körperarbeit; das Tai Chi Chuan, sowie Qigong bzw. die Psychomotorik ein unabdingbares Element zur therapeutischen Förderung in der Somatik ebenso wie in der Psychosomatik darstellt.